Kaffeeanbau in Zeiten von Corona

(Autoren: Kleber Cruz Garcia, Jörg Pfeifer – 12.07.2020)

Lateinamerika taucht seit einigen Wochen verstärkt in den Medien auf. Ursache sind die Auswirkungen der Pandemie auf die Staaten Mittel- und Südamerikas. Man gewinnt fast den Eindruck, diese Staaten stünden erst jetzt vor einer humanitären Katastrophe. Doch tatsächlich hat Corona die problematische Lage nur verschlimmert. Schwierig war sie vorher schon. Flüchtlinge aus Venezuela und die Karawane aus Honduras und El Salvador zeugen davon, wie Menschen versuchen, ihrer oft unerträglichen Lebenssituation zu entkommen. Sie alle wollen Frieden, Sicherheit , ein funktionierendes Gesundheitssystem…. und einen Job, der es ihnen ermöglicht in Würde zu leben und ihre Familien zu ernähren.

Für die Kleinbauern und Kaffeeproduzenten ist die Situation besonders dramatisch: Covid-19 breitet sich in einem Moment aus, in dem der Kaffeepreis an der NY-Börse derzeit umgerechnet bei 2,02€  /Kilo Rohkaffee gehandelt wird. In normalen Zeiten brauchen die Kaffeebauern (Honduras, Peru, Mexiko) einen Preis von mindestens 3,50€ / Kilo Rohkaffee um über die Runden zu kommen.

Dazu kommt, dass das Corona Virus in diesem Moment auf Staaten trifft, die die Grundversorgung der Bevölkerung nicht übernehmen können . Korruption und eine schlechte medizinischen Infrastruktur lassen die Lage mancherorts eskalieren. Viele Menschen sind gezwungen, jeden nur möglichen Job anzunehmen – oft ohne ausreichende Schutzmaßnahmen. Viele stehen inzwischen vor der Wahl: verhungern oder an Corona erkranken.

Besonders gefährdet sind die Menschen in den ländlichen Gebieten. Diese Volkswirtschaften sind –  vor allem in der Landwirtschaft –  von Schwarzarbeit und Schattenwirtschaft geprägt . Offizielle Statistiken, wie es hier um die Menschen bestellt ist, gibt es daher nicht. Doch wozu auch? Staatlich Hilfsmaßnahmen sind ohnehin nicht geplant.

Die Genossenschaften leisten eine enorm wichtige Arbeit, um die Gemeinde zusammen zu halten, um den Bauern Perspektiven und Hoffnung zu geben, damit keine Panik entsteht. Dann nämlich würden die Bauern ihre Felder verlassen und sich auf Wanderschaft zu einem vermeintlich einträglicherem Ort begeben.

Die Kooperativen verteilen Lebensmittel, sie informieren die Bauern über die Pandemie und über Schutzmaßnahmen, sie organisieren die Ernte und soweit es geht, versuchen sie gute Preise für den Kaffee ihrer Mitglieder zu erreichen.

Aber auch die organisierte Zivilgesellschaft übernimmt im ländlichen Raum organisatorische Aufgaben,  die eigentlich der Staat leisten müsste: die „Rondas Campesinas“ sind Zusammenschlüsse von Bauern, die im ländlichen Raum Staatsaufgaben übernehmen und  das Leben in der Gemeinde so organisieren, dass keine Ausweglosigkeit entsteht – dass immer noch ein Stück Hoffnung bleibt.

Die „Rondas Campesinos“ sind „Polizisten“, schlichten Streitigkeiten, erfüllen Aufgaben von Behörden und koordinieren die Sicherheitsmaßnahmen in ihren Gemeinden. Die Bevölkerung versorgt diese „Alltagsorganisatoren“ mit Lebensmitteln und Geld. Viele ihrer Mitglieder sind Kaffeebauern und Mitglieder von Kaffeegenossenschaften. Die Menschen auf den Dörfern müssen sich irgendwie selbst helfen, um die Corona-Krise zu meistern.

Was erwarten die Genossenschaften und Kaffeeproduzenten von uns Fair – und Direct – Tradern? Wir müssen unsere Absatzmärkte hier in Deutschland halten und ausbauen. Wenn die Absatzmärkte zusammenbrechen, wenn die faire Bezahlung ausbleibt, dann sind die Bauern gezwungen, ihren Rohkaffee zum Börsenpreis zu verkaufen . An Großhändler. Das hätte katastrophale Folgen. Zunächst für die Agrargemeinschaften, das Land, die Region , über kurz oder lang aber auch für die Länder, in denen der (billige) Kaffee auf den Markt kommt. Das gilt übrigens auch für Kakao und Südfrüchte, ebenso wie für Fleisch und Milch aus Deutschland. Wir sitzen alle in einem Boot!

Post a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.